
Gutes Licht für Fotos, ganz ohne Studio
Gutes Licht für Fotos macht mehr aus als jede Kamera. Die häufigsten Fehler, das Fenster als Studio und zwei Helfer, die du zu Hause hast.
Wenn ein Foto billig aussieht, liegt das fast nie an der Kamera. Es liegt am Licht. Gutes Licht für Fotos ist der einzige Punkt, an dem sich ohne Geld der größte Sprung machen lässt, und es ist der Punkt, an dem die meisten gar nichts tun, weil sie annehmen, dafür brauche man Ausrüstung.
Man braucht ein Fenster, ein weißes Bettlaken und ungefähr zwanzig Minuten, um den Unterschied zu sehen.
Die fünf Fehler, die fast alle machen
Die Deckenlampe an. Licht von direkt oben wirft Schatten in die Augenhöhlen und unter die Nase, und es macht jede Struktur auf der Haut sichtbar, die man nicht sehen will. Es ist das unvorteilhafteste Licht, das eine Wohnung zu bieten hat, und es ist das, das standardmäßig brennt.
Das Fenster im Rücken. Fühlt sich richtig an, ist es aber nicht. Die Kamera belichtet auf das helle Fenster und macht alles davor dunkel. Ergebnis ist eine Silhouette.
Der Blitz. Das Handyblitzlicht sitzt direkt neben dem Objektiv und knallt frontal ins Motiv. Das nimmt jede Tiefe raus und lässt Haut glänzen. Es gibt genau einen Fall, in dem er hilft, nämlich draußen bei greller Mittagssonne als Aufhellung. Drinnen nie.
Zwei Lichtfarben mischen. Warmes Lampenlicht plus kaltes Tageslicht ergibt ein Bild, in dem die eine Gesichtshälfte orange und die andere blau ist. Kein Weißabgleich der Welt rettet das. Entweder Fenster oder Lampe, nicht beides.
Pralle Mittagssonne. Direkte Sonne von oben ist hart, kontrastreich und gnadenlos. Draußen ist die Stunde nach Sonnenaufgang und die vor Sonnenuntergang das, was alle meinen, wenn sie von schönem Licht reden. Ein bedeckter Himmel ist übrigens die größte Softbox, die es gibt.
Das Fenster ist dein Studio
Stell dich seitlich zum Fenster, nicht davor und nicht mit dem Rücken dazu. Etwa im Winkel von fünfundvierzig Grad, dann bekommt das Gesicht eine helle und eine leicht abgeschattete Seite. Genau diese Kante zwischen hell und dunkel ist das, was ein Bild plastisch macht.
Der Abstand entscheidet über die Härte. Nah am Fenster ist das Licht weich und umschmeichelnd, weiter weg wird es härter und kontrastreicher. Wenn das Ergebnis zu dramatisch aussieht, geh einen Schritt näher ans Fenster, nicht weiter weg.
Nordfenster sind die besten. Da kommt nie direkte Sonne rein, sondern immer gleichmäßiges, weiches Licht. Wenn du eins hast, ist die Standortfrage damit beantwortet.
Direkte Sonne im Fenster ist zu hart. Ein weißer Vorhang davor macht daraus sofort weiches Licht. Ein weißes Bettlaken oder Backpapier mit Klebeband am Rahmen tut genau dasselbe.
Zwei Helfer aus dem Haushalt
Der Aufheller. Auf der Seite, die vom Fenster abgewandt ist, wird es schnell zu dunkel. Stell dort etwas Weißes hin, das das Licht zurückwirft: einen Karton, ein Bügelbrett mit weißem Bezug, ein aufgespanntes Laken. Der Schatten wird weicher, ohne dass das Bild flach wird. Silberne Rettungsdecke geht auch, ist aber deutlich greller.
Der Abschatter. Manchmal ist es umgekehrt und alles ist gleichmäßig hell, damit aber auch langweilig. Dann stell etwas Dunkles auf eine Seite, eine Decke über einen Stuhl reicht. Das gibt dem Bild wieder eine Richtung.
Beides zusammen kostet nichts und macht mehr aus als der Wechsel auf eine teurere Kamera.
Wenn es draußen dunkel ist
Abends gilt: eine Lichtquelle, nicht drei. Nimm eine Lampe, mach alle anderen aus, und stell sie seitlich auf, ungefähr auf Kopfhöhe. Ein Bogen Backpapier davor macht das Licht weicher. Eine Stehlampe, die gegen eine weiße Wand oder die Decke strahlt, ergibt großflächiges, sehr schmeichelhaftes Licht, weil die ganze Wand zur Lichtquelle wird.
Was du vermeiden solltest: das Handy als Lichtquelle in der Hand, den Fernseher im Rücken, und farbige Leuchten, wenn du die Hauttöne natürlich haben willst. Buntes Licht ist ein Stilmittel und keine Beleuchtung, es entscheidet sich also vorher, ob du es willst.
Woran du siehst, dass es sitzt
Drei Kontrollblicke, bevor du zwanzig Aufnahmen machst, die du nachher alle löschst:
- Die Augen. Wenn sich die Lichtquelle als kleiner heller Punkt in den Augen spiegelt, stimmt die Richtung. Fehlt dieser Punkt, kommt das Licht von zu weit hinten oder oben.
- Die Schattenkante. Es sollte einen weichen Übergang zwischen hell und dunkel geben, keinen harten Bruch und auch keinen völlig gleichmäßigen Brei.
- Die Haut. Kein Glanz auf Stirn und Nase. Wenn es glänzt, ist die Lichtquelle zu direkt, also entweder weiter zur Seite oder weicher machen.
Und danach die einfachste Regel überhaupt: Mach ein Bild, schau es dir an, verändere genau eine Sache, mach das nächste. Nicht drei Dinge gleichzeitig, sonst weißt du hinterher nicht, was geholfen hat.
Warum sich das direkt auszahlt
Licht ist der Teil, der bezahlte von kostenlosen Aufnahmen unterscheidet. Der Unterschied zwischen einem Schnappschuss und etwas, das jemand kauft, hat selten mit dem Motiv zu tun und fast immer mit der Ausleuchtung. Bei Vorschaubildern gilt das doppelt: Das ist der einzige Eindruck, den jemand vor der Kaufentscheidung bekommt. Warum Angebote sonst liegen bleiben, steht in Warum dein Drop nicht verkauft.
Der zweite Grund ist unsichtbar: Vorschauen werden bei uns heruntergerechnet und verpixelt, und aus einem gut ausgeleuchteten Bild bleibt in dieser Reduktion mehr Wirkung übrig als aus einem flau beleuchteten.
Häufige Fragen
Nein. Ein Fenster ist größer und weicher als jedes Ringlicht in dieser Preisklasse. Zubehör lohnt erst, wenn du unabhängig von Tageszeit und Wetter arbeiten willst.
Bedeckter Himmel den ganzen Tag über, sonst der Vormittag oder der späte Nachmittag. Mittags steht die Sonne zu hoch und das Licht wird hart.
Wahrscheinlich kommt das Licht frontal, etwa von Blitz oder Ringlicht. Stell dich seitlich zur Lichtquelle, dann bekommt das Bild Tiefe.
Nur begrenzt. Ein zu dunkles Bild wird beim Aufhellen körnig, und Schatten, die keine Zeichnung haben, bleiben leer. Vorher richtig machen ist immer weniger Arbeit.
